Pflanzliche Proteine aus der Schweiz
Interview mit Valérie Vincent, Innovationsmanagerin bei GMSA und Mitglied des Verwaltungsrats von Protaneo
Firmenportrait
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Gründungsjahr |
1885 |
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Firmenstandorte (* Hauptsitz) |
Mühlen: Granges-près-Marnand* (VD), Goldach (SG), Riddes (VS) Tochterfirmen: Stein am Rhein (SH), Schwarzenbach (SG), Zollbrück (BE) |
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Anzahl Mitarbeitende |
Ca. 180 Stellen (Vollzeitäquivalente) |
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Kerngeschäft |
Verarbeitung von Brotgetreide (Weizen, Dinkel und Roggen) sowie anderen pflanzlichen Rohstoffen, prioritär aus Schweizer Landwirtschaft. Weiter gehören Dienstleistungen zum Portfolio z.B. für das Bäckergewerbe. |
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Philosophie |
Kundenbedürfnisse und Qualität stehen im Mittelpunkt. |
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Werte |
Exzellenz, Einfachheit, Nähe, Offenheit und Verantwortung |
Valérie Vincent, GMSA
Frau Vincent, die GMSA legt seit jeher grossen Wert auf Schweizer Rohstoffe. Warum ist das so und wieso sind Sie dennoch auf Importe angewiesen?
Wir unterstützen die einheimische Landwirtschaft, da wir von der hohen Qualität der hiesigen Rohstoffe überzeugt sind. Allerdings gibt es Produkte mit spezifischen Qualitäten oder Bio-Qualitäten, die in der Schweiz nicht in ausreichender Menge verfügbar sind. Deshalb importieren wir gezielt kleine Mengen. Vermehrt auf Importe angewiesen sind wir auch in Jahren wie 2024, als die Erntemenge in der Schweiz sehr gering ausfiel.
Im Dezember 2022 haben Sie gemeinsam mit IP-Suisse und der Feldkost AG das Joint Venture «Protaneo» gegründet. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Seit 2020/21 haben wir den Markt intensiv analysiert und erkannt, dass es in der Schweiz zwar eine Verarbeitung für pflanzliche Proteine gibt, aber eine wirklich zu 100 % einheimische Wertschöpfungskette fehlte. IP-Suisse war bereits eine enge Partnerin und gemeinsam mit Feldkost konnten wir eine durchgängige Schweizer Produktion vom Feld bis auf den Teller realisieren. Zudem setzen viele Importprodukte auf chemische Prozesse und Zusatzstoffe, während Protaneo zu 100 % natürlich ist und ohne Zusatzstoffe auskommt.
Welche Rolle übernimmt GMSA konkret in diesem Joint Venture?
GMSA stellt die operative Struktur für Protaneo und kümmert sich um die Vermarktung der Produkte.
Wie viel Rohstoff verarbeiten Sie?
Im Verlauf des ersten Jahrs haben wir rund 250 Tonnen Erbsen und Ackerbohnen verarbeitet.
Derzeit sind Sie in der Schweiz die einzigen, die pflanzliche Proteinkonzentrate herstellen. Welche Produkte stellen Sie genau her?
Wir produzieren Mehle und Proteinkonzentrate aus Schweizer Gelberbsen und Ackerbohnen für die Lebensmittelindustrie. Ein Teil dieser Konzentrate fliesst in die eigenen Produkte von Protaneo: Dazu gehören pflanzliche Hack- und Geschnetzeltes-Alternativen. Beide bestehen aus nur vier Zutaten, die zu 100% aus der Schweiz stammen: Erbsen, Ackerbohnen, Sonnenblumen- und Kürbiskernmehl. Letzteres sind Nebenprodukte aus der Speiseölherstellung.
Was sind für den Absatz die wichtigsten Eigenschaften dieser Produkte?
Unsere Produkte sind die ersten natürlich hergestellten Proteinextrudate, die vollständig aus Schweizer Rohstoffen bestehen. Zudem sind sie nachhaltig und wurden mit dem Eco-Score A+ ausgezeichnet. Auch ernährungsphysiologisch sind unsere Produkte hochwertig und wurden vor Kurzem von der Swiss Nutrition and Health Foundation zertifiziert. Zudem sind sie ein Jahr lang ungekühlt haltbar, was ihre Lagerung erleichtert.
Hat sich Protaneo so entwickelt, wie Sie es sich erhofft haben?
Es war anfangs eine Herausforderung, sich am Markt bekannt zu machen. Dadurch verlief die Entwicklung langsamer als erhofft. Aber das Wachstum ist da, auch wenn es sich nach wie vor um eine Nische handelt.
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Protaneo?
Aktuell gibt es zwei erschwerende Komponenten: Zum einen bedauern wir die fehlende Unterstützung des Detailhandels bei der Vermarktung unserer Schweizer Produkte. Zum anderen ist es eine Herausforderung, Konsumierende mit unseren Produkten vertraut zu machen, weil sie als Trockenprodukte eine neue Art der Ernährung darstellen.
Welche Erfolge konnten Sie bereits feiern?
Während die Platzierung im Detailhandel eine grosse Herausforderung darstellt, konnten wir viele Unternehmen der Gastronomie und die Gemeinschaftsverpflegung von unseren Produkten überzeugen. Auch bei Degustationen haben wir sowohl von Fachleuten als auch von Konsumierenden sehr positive Rückmeldungen erhalten. Zu den Erfolgen von Protaneo zählen auch die sehr guten Bewertungen von Eco-Score und Beelong im Nachhaltigkeitsbereich sowie die Zertifizierung durch die Swiss Nutrition and Health Foundation für die Proteinqualität.
Wir hatten auch die Ehre, den Preis „Explorer of the Year 2023“ von Promarca zu erhalten, der das zukunftsweisendste und innovativste Produkt auszeichnet.
Der fehlende Grenzschutz führt zu starkem Preisdruck durch günstige Importe. Wie stellt sich Protaneo dieser Herausforderung?
Langfristig brauchen wir politische Unterstützung, um eine faire Wettbewerbsgrundlage zu schaffen. Andere landwirtschaftliche Produkte profitieren ebenfalls von Schutzmassnahmen, um die Produktion in der Schweiz zu unterstützen.
Was braucht es, damit Protaneo eine Zukunft hat?
Wir müssen unsere Produktionsmengen steigern können, um wirtschaftlich tragfähig zu werden. Dafür ist es entscheidend, dass Grossverteiler unsere Produkte ins Sortiment aufnehmen. Auch die Verbreitung in der Gastronomie, insbesondere in Kantinen, Schulen und Spitälern ist zentral. Das Thema Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde, aber dazu müssen den Konsumentinnen und Konsumenten die Produkte auch angeboten werden und den Worten müssen konkrete Taten folgen.

