Herausforderung:
Rentabilität im Pflanzenbau
Produktionskosten und Produzentenpreise klaffen immer stärker auseinander. Ein entscheidender Faktor ist die ungleiche Wettbewerbsfähigkeit durch den teilweise fehlenden Grenzschutz oder eine unzureichende Grenzbewirtschaftung durch den Bund (siehe Kasten). Während Schweizer Bauernfamilien hohe Umweltstandards einhalten müssen, gelangen importierte Produkte oft zu deutlich niedrigeren Preisen auf den Markt.
Auch die Schweizer Agrarpolitik hat einen entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftliche Situation im Pflanzenbau. Direktzahlungen sind für viele Betriebe einkommensrelevant. Allerdings sind diese Zahlungen an zahlreiche ökologische und administrative Auflagen geknüpft, die den Handlungsspielraum einschränken und den bürokratischen Aufwand erhöhen. Strenge Umweltauflagen und Dokumentationspflichten erfordern zusätzliche Ressourcen, ohne die Wertschöpfung zu verbessern. Stetige politische Anpassungen und unsichere agrarpolitische Rahmenbedingungen führen zu Planungsunsicherheiten und lähmen damit die Investitionsbereitschaft in den Pflanzenbau.
Wetterextreme wie Spätfröste, Starkregen, Trockenperioden oder Hagel können Ernten massiv reduzieren oder ganze Kulturen zerstören. Mildere Winter und veränderte Niederschlagsmuster erhöhen den Druck durch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten. Manche Jahre liefern hohe Erträge, während in anderen Jahren massive Einbussen drohen – ohne dass die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter darauf direkten Einfluss haben.
Diese Kombination aus klimatischen, politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten macht den Pflanzenbau zu einem zunehmend risikobehafteten Wirtschaftszweig. Deswegen muss die Wirtschaftlichkeit im Pflanzenbau verbessert werden, ohne die Tierproduktion zu schwächen.
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Vertiefung Grenzschutz
Unter Grenzschutz versteht man Massnahmen, die den Import von Produkten in ein Land so regulieren, dass die heimische Produktion keinen zu starken Wettbewerbsnachteil gegen ihre ausländische Konkurrenz erleidet. Beispiele sind: Zölle, Kontingente, Inlandleistung oder andere Massnahmen, die den Import mit günstigeren ausländischen Gütern regulieren.
Bisherige Bestrebungen
Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Pflanzenbaus beschäftigt viele Akteure. Gleichzeitig gibt es bereits zahlreiche Ansätze und Fördermassnahmen, die die Wirtschaftlichkeit verbessern sollen:
- Grenzschutz : Um faire Wettbewerbsbedingungen für einheimische Betriebe zu gewährleisten, ist ein wirksamer Grenzschutz essenziell. Da Produktionskosten in der Schweiz aufgrund hoher Umwelt- und Tierwohlstandards deutlich höher sind als im Ausland, braucht es eine Regulierung für Importprodukte, die diesen Standards nicht entsprechen. Mögliche Lösungsansätze sind ein gezielter Zollschutz für sensible Produkte, die Stärkung der Deklaration sowie verbindliche Nachhaltigkeitsanforderungen für Importe. Ein ausgewogener Grenzschutz schützt nicht nur die inländische Landwirtschaft, sondern trägt auch zur Ernährungssicherheit und zur regionalen Wertschöpfung bei.
- Markt/Labels : Durch die Entwicklung und Förderung von Qualitäts- und Herkunftslabels können landwirtschaftliche Betriebe ihre Produkte klar von Importen abgrenzen und den Mehrwert ihrer eigenen Produktion sichtbar machen. Eine wichtige Rolle übernehmen hier die Branchen- und Produzentenorganisationen.
- Direktzahlungen : Künftige Modelle sollen vor allem eine stabile Einkommensbasis sichern. Es gilt, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Pflanzenbaus im Vergleich zu importierten Produkten sicherzustellen.
Konkrete Forderungen
Grenzschutz optimieren
Optimierung des Grenzschutzes zur Sicherstellung einer rentablen Produktion (z.B. Höhe, Vergabe Zollkontingente, Inlandleistung, Veredlungsverkehr, nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Tarifierung). Zudem Schutz vor Billigimporten, die aus Produktion mit weniger strengen ökologischen und sozialen Standards stammen. Das macht Schweizer Produkte konkurrenzfähiger bzw. ermöglicht ihren Anbau überhaupt erst, wie z. B. Leguminosen für den menschlichen Verzehr.
Umsetzbarkeit mittel- bis langfristig
Wirkung hoch
Wertschöpfung verbessern
Verbesserung der Wertschöpfung am Markt durch faire Produzentenpreise, Veredlung von Produkten (z.B. Verarbeitung von Hülsenfrüchten), vermehrten Anbau von Kulturen mit hoher Wertschöpfung (sofern der Markt es zulässt), Differenzierung (z.B. durch Labels), Direktvermarktung usw.
Umsetzbarkeit mittelfristig
Wirkung hoch
Verhandlungsposition der Landwirtschaft stärken
Die Schweizer Landwirtschaft braucht eine stärkere Position in der Wertschöpfungskette, um fairere Bedingungen gegenüber Handel und Verarbeitung durchzusetzen. Dazu gehören eine Stärkung der Produzentenorganisationen, sowie politische Massnahmen, die eine faire Preisgestaltung und Markttransparenz sicherstellen. Auch die bewusste Information von Konsumentinnen und Konsumenten über die Mehrwerte der Schweizer Landwirtschaft trägt zur Stärkung der Verhandlungsposition bei.
Umsetzbarkeit mittelfristig
Wirkung mittel
Planungssicherheit schaffen
Einführung klarer, verlässlicher und langfristiger politischer Rahmenbedingungen, die landwirtschaftlichen Familienbetrieben ermöglichen, Investitionen und Betriebsausrichtungen strategisch zu planen.
Umsetzbarkeit mittelfristig (möglich mit der AP 2030)
Wirkung mittel
