Herausforderung:
Schutz der Kulturen zunehmend erschwert

Der Pflanzenschutz ist ein zentraler Bestandteil der pflanzlichen Produktion und sichert Erträge sowie die Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Insbesondere durch strengere Vorschriften, aber auch durch veränderte Umweltbedingungen und steigende Erwartungen an eine nachhaltige Landwirtschaft stehen Landwirtinnen und Landwirte vor grossen Herausforderungen. Alternativen zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln sind nicht für alle Kulturen verfügbar oder wirtschaftlich tragbar. Fehlen wirksame Schutzmöglichkeiten, steigt das Produktionsrisiko, was dazu führen kann, dass bestimmte Kulturen nicht mehr angebaut werden.

Bisherige Bestrebungen

Grosse Anstrengungen zur Risikoreduktion von Pflanzenschutzmitteln

Wo es praktikable Alternativen gibt, kommen diese zum Einsatz. Immer häufiger werden biologische Pflanzenschutzmittel genutzt, während der Verbrauch chemisch-synthetischer Wirkstoffe zurückgegangen ist (Abbildung 13). Dennoch gibt es Bereiche, in denen alternative Methoden nicht zuverlässig funktionieren oder mit hohen Kosten und Arbeitsaufwand verbunden sind. In solchen Fällen ist der Anbau wirtschaftlich nicht mehr tragbar, sodass sich immer mehr Betriebe aus der Produktion bestimmter Kulturen zurückziehen.

Abbildung 13: Verkauf von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz: Der Einsatz biologischer Pflanzenschutzmittel nimmt zu, jener der chemisch-synthetischen ab. Quelle: BLW.

Die Ziele des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutzmittel sind nahezu erfüllt – ausser beim Schutz der Kulturen

Die Ziele des von Bundesrat 2017 verabschiedeten Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutzmittel (NAP) sind laut Zwischenbericht vom 8. Mai 2024 für den Bereich Umwelt nahezu erfüllt (Abbildungen 14 bis 17):

1. Zielerreichung PSM mit besonderem Risikopotential

Abbildung 14: Pflanzenschutzmittel mit besonderem Risikopotenzial. In der Grafik ersichtlich ist die verkaufte Menge pro Wirkstoff und Jahr sowie der Mittelwert 2012-2015 und der Zielwert 2027. Der Zielwert wurde bereits in den Jahren 2022 und 2023 deutlich unterschritten. Quelle: BLW.

2. Zielerreichung Schutz des Grundwassers

Abbildung 15: Stand Zielerreichung des Indikators «Grundwasser» beim Absenkpfad Pflanzenschutzmittel. Aufgrund des Entzugs der Zulassung bei gewissen Wirkstoffen wird der Zielwert der 50%-Risikoreduktion seit 2020 unterschritten. Quelle: BLW.

3. Zielerreichung Schutz der Oberflächengewässer

Abbildung 16: Stand Zielerreichung des Indikators «Oberflächengewässer» beim Absenkpfad Pflanzenschutzmittel. Je nach Jahr variiert das Risikopotenzial für Oberflächengewässer stark. Quelle: BLW.

4. Zielerreichung Schutz der Naturnahen Lebensräume

Abbildung 17: Stand Zielerreichung des Indikators «Naturnahe Lebensräume» beim Absenkpfad Pflanzenschutzmittel. Mit der Einführung von zusätzlichen Massnahmen im Jahr 2023 wie z.B. der Reduktion der Abdrift sollte das Ziel der 50% Risikoreduktion bis 2027 durchgehend erreicht werden. Quelle: BLW.

5. Ziel beim Schutz der Kulturen verfehlt

Seit 2005 hat der Bund in der Schweiz 208 Wirkstoffe zurückgezogen. Das entspricht rund der Hälfte der dazumal zugelassenen Wirkstoffe. In der gleichen Periode liess Bund 94 neue Wirkstoffe zu. Von den neuen Wirkstoffen sind rund ein Drittel Pheromone oder Organismen, die zwar spezifisch gegen einzelne Schädlinge wirken, aber oft nicht alle Schädlinge bekämpfen können, die mit den zurückgezogenen chemischen Wirkstoffen kontrolliert wurden. Durch diese Rückzüge sind Lücken im Pflanzenschutz entstanden. Bei einem Befall fehlen den Landwirtinnen und Landwirten die Möglichkeiten, ihre Kulturen zu schützen. Beispiele sind Drahtwürmer in Kartoffeln, Kohlfliege und weisse Fliegen in Kohlgemüse, die Bohnenfliege, der falsche Mehltau in verschiedenen Gemüsekulturen insbesondere in Zwiebeln, Kohlgemüse und Radis, der Pflaumenwickler sowie Miniermotten in Apfel und Birne. Hinzu kommt, dass viele Wirkstoffe nicht mehr ausreichend wirken, weil sie mangels Alternativen häufiger in der gleichen Kultur eingesetzt werden müssen als früher oder weil sie in allen möglichen Kulturen zum Einsatz kommen. Die Zunahme von Resistenzen bei Schadorganismen (Pilze, Unkräuter und Insekten) schreitet unaufhörlich voran.

Details siehe Lagebericht Pflanzenschutz oder das entsprechende Factsheet.

Konkrete Forderungen

Indikator für den Schutz der Kulturen entwickeln und einführen

Der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz (NAP) gewichtet den Schutz der Kulturen gleich wie die beiden übrigen Schutzkompartimente „Umwelt“ und „Mensch“ – das muss auch tatsächlich so umgesetzt werden. Weitere politische Massnahmen dürfen nur umgesetzt werden, wenn der Schutz der Kulturen gewährleistet bleibt.

Umsetzbarkeit kurzfristig
Wirkung hoch

Deblockierung des Pflanzenschutzmittel-Zulassungsverfahrens

Aktuell stauen sich über 700 Gesuche bei den Zulassungsbehörden. Dem können folgende Massnahmen entgegenwirken: Umsetzung der parlamentarischen Initiative 22.441 «Modernen Pflanzenschutz in der Schweiz ermöglichen» sowie schnellere Verfahren für biologische oder risikoärmere Alternativen und Effizienzsteigerung im Bewilligungsverfahren.

Umsetzbarkeit kurz- bis mittelfristig
Wirkung hoch

Ein Monitoring der pflanzlichen Produktion aufbauen

Die pflanzliche Produktion ist seit 2014 rückläufig. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der immer stärker fehlende Schutz der Kulturen trägt jedoch klar seinen Teil dazu bei. Um die Treiber dieser Entwicklung besser verstehen und einordnen zu können, braucht es ein langfristiges Monitoring.

Umsetzbarkeit mittelfristig
Wirkung mittel

Umsetzung der parlamentarischen Initiative 19.475 darf nicht zu weiteren Einschränkungen führen

Bei der Umsetzung des 4. Massnahmenpakets des Absenkpfad Pflanzenschutzmittel (Pa.Iv. 19.475) – z.B. Ausscheidung von Zuströmbereichen, Gewässerschutzzonen, Nitratprojekte – ist zwingend zu berücksichtigen, dass die pflanzliche Produktion in der Schweiz nicht weiter eingeschränkt wird. Es braucht eine Güterabwägung und die Anliegen des Pflanzenbaus sind gleichwertig zu berücksichtigen. Für Mehraufwände in der Produktion braucht es zusätzliche öffentliche finanzielle Mittel.

Umsetzbarkeit kurz- bis mittelfristig
Wirkung hoch

In Sachen Pflanzenschutz gleiche Anforderungen an importierte pflanzliche Lebensmittel- und Rohstoffe, wie sie für die Schweiz gelten

Verbot des Imports oder Deklaration von Rohstoffen und/oder daraus erzeugten Produkten, wenn sie mit Hilfe von in der Schweiz verbotenen Wirkstoffen oder Praktiken erzeugt wurden - unabhängig davon, ob die lebensmittelrechtlich geltenden Grenzwerte eingehalten werden.

Umsetzbarkeit mittelfristig
Wirkung mittel

Züchtungsoffensive

Die Pflanzenzüchtung ist ein Teil der Lösung. Der Bund steigert sein Engagement im Bereich der öffentlichen Züchtung nochmals deutlich.

Umsetzbarkeit mittelfristig
Wirkung hoch

Offenheit gegenüber neuen Pflanzenzüchtungsverfahren unter Berücksichtigung der Entwicklungen in der EU

Die Schweiz ist offen für eine praxistaugliche Regulierung von neuen Pflanzenzüchtungsverfahren (NZV), wenn diese z.B. helfen können, den Einsatz von PSM zu reduzieren.

Umsetzbarkeit kurz- bis mittelfristig
Wirkung mittel

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