Herausforderung:
Klimawandel
Steigende Temperaturen, unregelmässige Niederschläge und häufigere Extremwetterereignisse wie Trockenheit, Starkregen oder Spätfröste beeinflussen die Produktivität und Planbarkeit der landwirtschaftlichen Produktion erheblich.
Hinzu kommt der zunehmende Druck durch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten, die entweder neu in der Schweiz auftreten oder sich in bisher untypische Regionen und höhere Lagen ausbreiten. Milde Winter begünstigen die Überwinterung von Schadinsekten, während längere Vegetationsperioden zu zusätzlichen Vermehrungszyklen führen. Gleichzeitig nehmen Pilz-Erkrankungen durch feuchtwarme Bedingungen zu.
Die veränderten klimatischen Bedingungen verschlechtern Bodenfruchtbarkeit und Wasserverfügbarkeit. Starke Niederschläge können die Bodenerosion verstärken, während längere Trockenperioden die Wasserreserven strapazieren. Dies macht die Bewässerung anspruchsvoller und erhöht die Konkurrenz um Wasser.
Die Anbaueignung bestimmter Kulturen verändert sich. Während wärmeliebende Pflanzen wie Soja oder Sonnenblumen vermehrt angebaut werden könnten, geraten traditionelle Kulturen wie Weizen oder Kartoffeln durch Trockenstress oder Krankheitsdruck unter Druck. Die Unsicherheit über langfristige Anbauperspektiven erschwert die Planung der Bauernfamilien.
Insgesamt erhöht der Klimawandel die wirtschaftlichen und betrieblichen Risiken für landwirtschaftliche Betriebe und stellt den Pflanzenbau vor eine der grössten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.
Details siehe: Fokus digital Klima
Bisherige Bestrebungen
Betriebe können und müssen sich auf mehreren Ebenen an den Klimawandel anpassen (siehe Abbildung 3), um auch in Zukunft ausreichend Lebensmittel produzieren zu können. Als Basis gilt die gute landwirtschaftliche Praxis: Betriebe bewirtschaften das Land standortangepasst, bodenschonend und fördern die Biodiversität.
Auf einer zweiten Ebene braucht es die Züchtung von trockenheits- und hitzetoleranten Sorten, um langfristig widerstandsfähig gegen klimatische Veränderungen zu sein. Zum Anbau dieser neuen Sorten und Kulturen gehören Wissen und Infrastruktur für Bewirtschaftung, Ernte, Verarbeitung sowie die Nachfrage auf dem Markt.
Bewässerung kann eine wichtige Massnahme für die Anpassung an den Klimawandel sein. Dies ist jedoch stark vom Standort und dessen Wasserverfügbarkeit abhängig. Aus wirtschaftlicher Sicht lohnt sich das Bewässern nur bei Kulturen mit einer hohen Wertschöpfung wie z.B. Gemüse, Obst, Kartoffeln und Beeren.
Details siehe: «Fokusmagazin Schweizer Landwirtschaft im (Klima)wandel» und «Fokus digital Klima»
Abbildung 18: Anpassungsmöglichkeiten der Landwirtschaftsbetriebe an den Klimawandel. (Quelle: Agroscope)
Klimaschutzmassnahmen in Wert setzen
Im Agrarsektor gibt es bereits zahlreiche Initiativen, die innovative und praxisnahe Lösungen für den Klimaschutz anbieten und den ökologischen Fussabdruck der Landwirtschaft verringern sollen:
- Das von IP-Suisse entwickelte Klimapunktesystem ermöglicht eine transparente Bewertung klimarelevanter Massnahmen.
- AgroImpact will Treibhausgasemissionen reduzieren und Klimaschutzbestrebungen der Schweizer Landwirtinnen und Landwirte in Wert setzen.
- AgroCleanTech unterstützt landwirtschaftliche Betriebe mit einem umfassenden Energie- und Klimacheck, Effizienzprogrammen sowie vielfältigen Aktivitäten zur Wissensvermittlung und Sensibilisierung.
- Ressourcenprojekte wie AgroCO2ncept, KlimaStarMilch und Réflexion Innovation Soutien Climat (RISC) verfolgen innovative Ansätze zur Reduktion von Treibhausgasen und Optimierung des Ressourceneinsatzes.
- Kompensationsprojekte in Zusammenarbeit mit Klik setzen unter anderem auf den Einsatz von Düngerzusätzen (Entec) und den Betrieb von Biogasanlagen.
- ERDE Schweiz fördert und organisiert das Recyclieren von Silofolien.
Konkrete Forderungen
Anpassung an den Klimawandel erleichtern
Förderung von trockenheitsresistenten Kulturen, Wasserspeicherlösungen und standortgerechten Anbausystemen, um Extremwetter abzufedern.
Umsetzbarkeit mittel- bis langfristig
Wirkung mittel
Klimaschutzmassnahmen konsequent in Wert setzen
Die Landwirtschaft leistet bereits einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, etwa durch CO₂-Speicherung im Boden, den Erhalt von Grünland oder nachhaltige Anbaumethoden. Diese Leistungen müssen wirtschaftlich anerkannt und entsprechend honoriert werden. Dies kann durch gezielte Anreize im Agrarpolitik-System sowie durch eine stärkere Berücksichtigung und Honorierung klimafreundlicher Produktion im Markt oder durch private Initiativen geschehen.
Umsetzbarkeit kurz- bis mittelfristig
Wirkung mittel

