Die aktuellen Herausforderungen
Politik und Gesellschaft haben ständig steigende Erwartungen an die Schweizer Landwirtschaft. Dazu gehören Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit, Biodiversität und Klimaschutz. Betriebe sollen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren, Nährstoffverluste minimieren und die Produktion umweltfreundlicher gestalten. Gleichzeitig gehen die Behörden davon aus, dass die Ertragsmengen und -qualitäten stabil bleiben. In der Praxis zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass Erträge und Qualität abnehmen. Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet dies erhebliche Zusatzkosten, organisatorischer und finanzieller Aufwand sowie deutlich steigende Produktionsrisiken. Dies belastet die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Betriebe. Zudem sind erhebliche Zielkonflikte entstanden – z. B. in Bezug auf die Ressourceneffizienz. Zusammengefasst betrachtet steht der Pflanzenbau vor einem komplexen Spagat zwischen:
- Ökologische Anforderungen: Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, Minimierung von Nährstoffverlusten, Förderung der Biodiversität und Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen.
- Produktionssicherheit: Klimatische Extremereignisse wie Trockenheit, Hitze, Spätfrost und Starkregen stellen stabile Erträge und Qualität der Kulturen zunehmend in Frage. Ebenso herausfordernd ist die Ausbreitung von altbekannten sowie neuen Schadorganismen aufgrund von fehlenden Pflanzenschutzmitteln, dem Klimawandel und der Globalisierung.
- Politische Vorgaben: Neue Regulierungen, wie der Absenkpfad für Pflanzenschutz und Nährstoffe, erfordern umfassende Anpassungen und setzen landwirtschaftliche Betriebe unter Druck.
- Gesellschaftliche Erwartungen: Konsumentinnen und Konsumenten fordern regionale, umweltfreundliche und nachhaltige Lebensmittel, oft ohne höhere Preise zahlen zu wollen.
- Wirtschaftliche Tragfähigkeit: Investitionen in nachhaltige Technologien, biologischen Pflanzenschutz oder alternative Kulturen und Anbaumethoden erhöhen die Produktionskosten und den Aufwand, während die Erträge oft tiefer ausfallen und der Preisdruck auf dem Markt bestehen bleibt. Neue Kulturen, die am Markt gefragt sind (z. B. Speisehafer oder Leguminosen) können wegen fehlendem Grenzschutz nicht angebaut werden.
