Kapitel 3: Aktuelle Versorgungslage

Selbstversorgungsgrad

Selbst-versorgungs-grad

Selbstversorgungsgrad kurz erklärt

Der Selbstversorgungsgrad beschreibt das Verhältnis der Inlandproduktion zum inländischen Gesamtverbrauch, gemessen in verwertbarer Energie. Man unterscheidet zwischen dem Brutto- und dem Netto-Selbstversorgungsgrad. Letzterer bringt die Energie der importierten Futtermittel in Abzug und liegt daher tiefer als der Brutto-Selbstversorgungsgrad. In der Schweiz liegt der Brutto-Selbstversorgungsgrad etwa bei 56% und der Netto-Selbstversorgungsgrad etwas unter 50%.

Durch die hohe Bevölkerungsdichte und die kleine Fläche ist es nicht möglich, den ganzen Bedarf der Schweiz durch die einheimische Landwirtschaft zu decken, ohne die natürlichen Ressourcen zu übernutzen. Für eine sichere Versorgungslage ist es nötig, die Vielfalt der Landwirtschaft zu erhalten und stabile Handelsbeziehungen zu pflegen. Heute wird ungefähr die Hälfte der benötigten Kalorien in der Schweiz produziert, der Rest wird durch Importe ergänzt. 2022 importierte die Schweiz rund 7 Millionen Tonnen Agrargüter im Wert von 14,3 Milliarden Franken. Dabei hat diese Menge in der Vergangenheit kontinuierlich zugenommen, innerhalb der letzten 10 Jahre um 40%. Somit verzeichnet die Importmenge eine Zunahme, die weit über den Anstieg der Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum hinausgeht. Dabei ist der Einkaufstourismus noch nicht mitgerechnet. Gemäss Schätzungen der Universität St. Gallen kaufen die Schweizerinnen und Schweizer für rund 3 Milliarden Franken zusätzlich Lebensmittel im umliegenden Ausland ein.

Die Standortbedingungen schränken die Produktionsmöglichkeiten an vielen Standorten ein. Sie beeinflussen, was wir selbst produzieren können und was ergänzend importiert werden muss. Entsprechend ist die einheimische Produktion stark in den tierischen Produkten, bei denen der Selbstversorgungsgrad 2022 bei 96% lag. Bei den Milchprodukten liegt dieser sogar über 100%, denn ein kleiner Teil wird in Form von Käsespezialitäten exportiert. Anders präsentiert sich die Lage in der pflanzlichen Produktion. Hier liegt der Selbstversorgungsgrad im langjährigen Mittel bei etwas über 40%, wobei die jährlichen Schwankungen durch die starke Wetterabhängigkeit beträchtlich sind.

Statt in Kalorien, liesse sich der Selbstversorgungsgrad auch in Proteinen ausdrucken. Hier liegt der Schweizer Wert deutlich höher: 2021 produzierte die Schweizer Landwirtschaft 66% des verbrauchten Eiweisses. Dies ist auf die starke tierische Produktion zurückzuführen. Pflanzliche Nahrungsmittel, die in grossen Mengen importiert werden, wie beispielsweise Getreide, Öle oder Zucker sind für die Proteinversorgung weniger relevant.

Abbildung 7: Selbstversorgungsgrad nach Nahrungsmittel
Quelle Agristat Nahrungsmittelbilanz

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